Autor Ulrich Grober begleitet unsere Gruppe zwei Tage lang. Grober ist ein Mann, dem Wandern und Schreiben wichtig sind. Er beschäftigt sich mit der Umwelt, Nachhaltigkeit ihm ein wichtiger Begriff. Er soll uns zum Schreiben anregen, heisst es im Programm dieser Tage. Am Mittag des zweiten Wandertages bleiben wir im Wald stehen, Grober nimmt ein postkartengrosses Blatt Papier aus einem Notizblock hervor, auf dem das Wort WOW steht. WOW in grossen Lettern und mit einem Ausrufezeichen.

Heute sollen wir einen Text schreiben, in dem unser Staunen über etwas, das mit dieser Wanderung verbunden ist, zum Ausdruck kommen soll. Gegen 16 Uhr halten wir an. Wir sind im Wald, jetzt ist Schreibzeit. Eine halbe Stunde Zeit zum Schreiben. Anschliessend sollen wir uns die entstandenen Texte vorlesen. Mitwanderer Knut verkündet, er könne nicht wirklich schreiben. Eine Mitwanderin aus Oederan hat kein Papier dabei. Oder sie will sich drücken. Nachher wird sich herausstellen, dass Knut sehr wohl und sehr gut schreiben kann. Und die Papierlose erzählt einen schönen Waldtext. Hier meine beiden Kurztexte.

 

Momente der staunenden Erkenntnis.

Beim Rauskommen aus dem Wald die Weite der Landschaft erleben, die ausgedehnten Felder sehen, das leuchtende Grün in Variationen, die Anhöhe in der Ferne mit Burg und Kirche. Und dann wieder in den Wald eintauchen die hohen Bäume, der Blick richtet sich nicht in die Ferne, sondern in die Höhe. Cathedral Forest sagt mein Mitwanderer. Ja, der Ausdruck stimmt für mich.

 

 

Momente der staunenden Erkenntnis. (2)

Ankommen in einem Dorf, das einem als eines der schönsten Dörfer Deutschlands angepriesen wurde. Und nicht verstehen, skeptisch. Und dann der Zufall: Der Ortsvorsteher, der einem schildert, weshalb in seinem Dorf seit 1992 keine Einfamilienhäuser gebaut wurden. Vorhandene Bauten durften umgebaut und ausgebaut werden. Die Dreiseitenhöfe neu nutzen: Wohnhaus, Heuboden und Scheune anders nutzen. Es hat sich gelohnt, die Zahl der Einwohner ist nicht zurückgegangen, die Jungen kommen zurück, weil es sich hier gut wohnen lässt. Kirchbach heisst das Dorf.

 

Text: Michael Guggenheimer

Fotos: Leonie Rhode