Kohle ohne Ende?

Termin: So., 6. Okt. bis Sa., 12. Okt. 2019

Ein Wechsel aus Schönheit und Schrecken: Die Sehenswürdigkeiten dieser LandPartie entdeckt man eher auf den zweiten Blick. Auffälliger sind hingegen die Braunkohlekraftwerke, die zahlreichen Stromleitungen und Windräder. Neben diesen markanten Orientierungspunkten zeigt die flache Horizontlinie dieser Region auch vom Kohlebergbau aufgehaldete Berge. Kurz: Die Kohle bestimmt hier die Landschaft, wie auch das Denken. Was aber bedeutet es für die „Landkultur“, wenn vielleicht schon in absehbarer Zeit die Kohle alle ist – der Tagebau stillgelegt wird? Und lässt sich eine solche Region, die derart von Großtechnologie dominiert wird, noch beschreiben als eine „ländliche Region“? Oder müssen wir uns hier der LandKultur vielleicht irgendwie anders annähern? Mit unserer Wandernung nehmen wir eine Spur auf und stoßen dabei auch auf landschaftliche Schönheiten, wie man derartige schwerlich anderswo finden kann.

SPECIAL: Just Transition – Was bedeutet Gerechtigkeit im Politikfeld der Energiewende?

Wir alle haben ein Gefühl für das, was gerecht und was ungerecht ist. Die Wahrnehmungen und Meinungen gehen dabei aber oftmals auseinander. Für den Sonderfall des Kohleausstiegs nehmen Jenny Zorn und Stefan Schweiger aus dem Geographischen Institut der Ruhr-Universität Bochum zwei diametral entgegengesetzte Positionen ein, um die Weite des politischen Spannungsfelds aufzuziehen. Das sind dabei nicht die Positionen, die die Referent*innen tatsächlich persönlich vertreten, sondern sie zeigen den Dissens zwischen denjenigen, die einen schnellen Ausstieg fordern und denjenigen, die damit ihre Probleme haben. Ziel soll es nicht sein, sich auf eine Seite zu schlagen, sondern zu verstehen, dass beide Positionen im Diskurs ihre Daseinsberechtigung haben und man zumindest versuchen sollte, beide Seiten zu verstehen. Verstehen heißt dabei aber nicht zwingend billigen. [Beitrag zur 4. Tagesetappe; Do., 10.10.2019]

2019-07-15
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Etappen und Denkwürdigkeiten

Diese LandPartie startet am Rande von Alsdorf, einer Stadt, in der sich die kreativsten Kräfte just damals entfalteten, als dort zu Anfang der 1990er Jahren die Steinkohlenzeche geschlossen wurde. Und nun streitet man darüber, ob deren etwa hundert Meter hoch aufgeschütteten Abraumhalden unter Naturschutz gestellt werden sollen. Einen dieser Berge zu besteigen, lohnt auf jeden Fall. Ebenfalls empfehlenswert ist der Besuch des Energeticon, eines Ausstellungs- und Veranstaltungszentrums in einem formaligen Zechengebäude. (Beides als zusätzliches, fakultatives Angebot am Anreisetag 6.10.19)
Entlang der ersten Tagesetappe säumen wiederholt Gedenksteine und Wegekreuze die Route: Sie alle erinnern an abgebaggerte Dörfer, inmitten rekultivierter und weiträumiger Agrarflächen. Auch der Blausteinsee ist ein Relikt des Braunkohlenbergbaus. Hier besuchen wir das Naturhaus Rheinland und erfahren einiges zur Geschichte und Gegenwart dieses einstigen Restlochs. Weiter entlang dem Ufer des Blausteinsee erreichen wir schließlich den Ortsteil Neu-Lohn, in welchem viele Umgesiedelte ihre neue Heimstatt bauten und dabei ihre Vorstellung von „ländlich“ zur Anschauung brachten.
Die zweite Etappe führt über junges Land: Zunächst am einstigen Rand des Braunkohletagebaus Inden überqueren wir die neue Inde, ein künstlich verlegter Flußlauf. Anschließend gehen wir über wiederaufgefülltes Tagebaugelände – je weiter wir schreiten, um so jünger die Landschaft.
Am dritten Tag erhalten wir eine Führung durch das Forschungszentrum Jülich. In verschiedenen Projekten wird hier beispielsweise über zukünftige Energiequellen geforscht. Im selben Areal befindet sich aber auch die Rückbaustelle eines stillgelegten Atomreaktors, dessen Reaktorkern kürzlich für mindestens fünfzig Jahre in einem Zwischenlager geparkt wurde. Eine Zeitmarke bildet ebenfalls unser Tagesziel, die Burg Obbendorf in dem kleinen Ort Hambach. Im Jahr 893 wurde diese Burg erstmals erwähnt. Seit 1995 wird sie genutzt als Hotel und Restaurant.
Eine weitere Halde, die Sophienhöhe, bildet bei der vorletzten Tagesetappe den höchsten künstlichen Hochpunkt der Tour. Die körperliche Herausforderung ist dabei gering im Vergleich zur sich stellenden Denkaufgabe: Das Ergebnis des kaum zu fassenden Eingriffs in die Umwelt hat (in Teilen) eine sehr bizarre und ausgesprochen ästhetische Landschaft zur Folge. Aber kann das sein? Darf ich eine derart devastierte Umwelt als schöne Landschaft empfinden? Spätestens an diesem Ort wird auch ersichtlich: Die Tour umrundet im Prinzip ein riesiges Loch – den Tagebau Hambach. Seit der Räumung des Hambacher Forsts kennen alle diesen Namen aus Medienberichten. Dabei wird die Auseinandersetzung um die Braunkohle wesentlich außerhalb der Region geführt und entschieden, wie auch die hier gewonnene Energie außerhalb der Region ihren Mehrwert entfaltet. Etwas anderes bedeutet es indessen, dieses Loch einmal zu umwandern und dabei dessen Nachbarschaften in den Blick zu nehmen.
Beispielsweise bei der letzten Etappe das Dorf Manheim, das gegenwärtig abgerissen und schon 2022 gänzlich von der Erdoberfläche getilgt sein wird. Es ist mehr als nur etwas merkwürdig, durch die leeren Straßen dieses schwindenden Ortes zu gehen. Sowohl inhaltlich wie auch topographisch ist es nun nicht mehr weit zum Hambacher Forst. Soweit keine tagesaktuellen Vorkommnisse den Waldfrieden stören, werden wir diesen Wald und dessen Bewohner besuchen.
Letztlich erreichen wir dann das Dorf Buir und damit wieder „normalen Boden“, welcher außerhalb der Reichweite des Bergbaus liegt.
[Zuletzt geändert am 11. Juli 2019; eventuelle weitere Änderungen vorbehalten]

Mit einem Impulsvortrag am Abend der ersten Etappe (07.10.) gewährt uns Andreas Teichmann einige Einblicke in seine Arbeitsweise. Entlang der zweiten Wanderetappe (08.10.) wird er uns begleiten. Eine gemeinsame Bildbesprechung einiger der an diesem Tag entstandenen Fotos lässt den Abend ausklingen.
Erwartet wird, dass Sie einen manuell einstellbaren Fotoapparat mitbringen, mit dessen Handhabung Sie weitgehend vertraut sind.

Wanderung mit mittlerem Schwierigkeitsgrad: Tagesetappen zwischen 13 km bis 18 km durch weitgehend flaches Gelände. Moderate Höhenmeter sind bei der 4. Etappe über die Sophienhöhe zu überwinden (ca. 350 m aufwärts, 370 m abwärts). Gute Grundkondition erforderlich. Überwiegend gut begehbare Wege. Trittsicherheit erforderlich.

Button zentrierenZum Anzeigen der Route müssen Sie eventuell die Kartenansicht zentrieren; durch Klick auf das Symbol in der jeweiligen Karte oben rechts





Die Teilnehmeranzahl der LandPartien ist begrenzt auf eine Gruppengröße von zehn Personen. Wir empfehlen Ihnen daher eine möglichst frühzeitige Anmeldung per Email an: anmeldung@akademielandpartie.de

In Abhängigkeit freier Plätze erhalten Sie von uns eine Anmeldebestätigung mit der Aufforderung zur Zahlung der Teilnahmegebühr. Nach Eingang Ihrer Zahlung sind Sie verbindlich angemeldet und der Platz ist für Sie reserviert.
Anmelde-Frist: 17. August 2019

Für Personen aus den besuchten Ortschaften besteht die Möglichkeit, die LandPartie tageweise zu begleiten. Auch für diese Art der Teilnahme ist die mögliche Gruppengröße begrenzt (auf 20 Personen). Daher ist auch für diese Teilnahme eine Anmeldung erforderlich. Für ihre individuelle An- und Abreise, die Sie bitten eigenständig organisieren, können wir Ihnen rechtzeitig vor Beginn der LandPartie die betreffenden Start- und Zielpunkte der einzelnen Tagesetappen mitteilen.

Die Gebühr für die Teilnahme an der fünftägigen LandPartie beträgt pro Person 119,00 € (inkl. 19% MwSt.). Die Teilnahmegebühr enthält folgende Leistungen:
  • Begrüßung und Einführungsveranstaltung am Vorabend der ersten Tagesetappe.
  • Ganztägige Reiseleitung und Betreuung während der fünf Wanderetappen.
  • Eintägiger „Workshop in Fortbewegung“ entlang der zweiten Tagesetappe mit Anleitung durch den benannten Referenten.
  • Täglicher Gepäcktransport während der LandPartie (mit der Einschränkung, wie in den Hinweisen zum Reisegepäck aufgeführt).

NICHT enthalten sind Kosten für individuelle An- und Abreise, Kosten für externe Führungen oder Eintritte, Kosten für Übernachtungen und Verpflegung. (Wir übernehmen für Sie die Reservierung der Hotelzimmer in ihrem Namen. Die Bezahlung erfolgt jeweils unmittelbar durch Sie, direkt bei Ankunft oder durch Vorkasse.)
Die tageweise Teilnahme für Personen aus den besuchten Ortschaften ist kostenlos (kein Gepäcktransport).

Wir haben für die sechs Nächte in günstig an der Route liegenden Hotels Zimmerkontigente reserviert. Die Hotelkosten gesamt für die sechs Nächte zusammen betragen für Belegung als Einzelzimmer ca. 420,- – 460,- €; für Unterkunft in Doppelzimmer ca. 280,- – 310,- €/Person.
Es kann nicht für alle Teilnehmer für jede Nacht die Unterbringung in Einzelzimmer garantiert werden.
Nach erfolgter Anmeldung senden wir Ihnen eine Liste der Unterkünfte zu. Die Reservierung und die Bezahlung der Zimmer erfolgt individuell durch die Teilnehmer (Bezahlung bei Ankunft im Hotel). Die LandPartie ist kein Reiseangebot im Sinne des Reisegesetzes.
Sollten Sie von Ihrer gebuchten Teilnahme eventuell zurücktreten wollen, bemühen wir uns den freiwerdenden Platz durch Nachrücker zu besetzen. Sofern dies gelingt, erhalten Sie ihre bereits gezahlte Teilnamegebühr erstattet. Sollte kein Nachfolger für den für Sie reservierten Platz gefunden werden, besteht kein Anspruch auf Rückerstattung der Teilnahmegebühr.
Eventuell entstehende Kosten für in Ihrem Namen gebuchte und nicht mehr stornierbare Übernachtungen müssen in jedem Fall von Ihnen bezahlt werden.
Auf den Tagesetappen brauchen Sie lediglich eine kleinen Rucksack mit ihrem Tagesgepäck (z.B. Regenschutzkleidung), die Tagesverpflegung und ihre Ausrüstung für den Workshop bzw. künstlerische Arbeit (z.B. Fotoapparat, Notizbuch) mitzuführen. Ihr übriges Gepäck transportieren wir jeweils zur nächsten Unterkunft. Jedoch ist der Gepäcktransport auf ein Gepäckstück je Teilnehmer begrenzt. Die Größe des Gepäckstücks ist begrenzt auf die Maße eines Handgepäcks (maximale Abmessungen von 55 x 40 x 20 cm) und darf maximal zehn Kilogramm wiegen.
Nicht zuuletzt ist Wandern auch eine Übung in der Reduzierung auf das wesentlich Notwendige.