Statt Land StadtLand

Termin: So., 23. Aug. – Sa., 29. Aug. 2020

Goethe, Schiller, Humboldt und auch Heinrich Heine waren schon da – sie alle wanderten entlang dem Tal der Schwarza, vorbei am Jagd­schloss Eber­stein zur Borken­hütte am Trippstein, blickten von dort auf Schloss Schwarz­burg und das Panorama des Thüringer Waldes. Und unzählige folgten. Zu DDR-Zeiten drängelten sich die Wander­gruppen mitunter auf ihren Spuren. Jedoch 1989 wendete sich auch dies, gleichwohl der Zauber dieser Land­schaft geblieben ist. Wanderer, die die Einsam­keit suchen, mag dies freuen – wenn sie denn den Weg in diese Region finden. Nicht wenige Hotel­bauten mit der charakter­istischen Sommer­frische-Architektur stehen indessen heute leer. Die „Zukunfts­werkstatt Schwarzatal“ will die Tradition der Sommer­frische wieder neu beleben und organi­siert gemein­sam mit der Inter­nationalen Bau­aus­stellung (IBA) Thüringen jährlich den „Tag der Sommer­frische“. Just zu unserem Anreise­tag sind zahl­reiche sonst ver­schlossene Häuser begeh­bar, ergänzt durch kleine Aus­stellungen, Erzähl­cafés und ein abwechs­lungs­reiches Musik- und Kultur­programm. Insge­samt geht es dabei um eine zeit­genössisch ver­standene „Sommer­frische“: Neben der Reakti­vierung des Tourismus sollen auch neue Angebote für Menschen entstehen, die zwar in der Stadt zu Hause sind, zugleich aber auch auf dem Land leben wollen. Neue Stadt-Land-Beziehungen werden erprobt: Ein Zimmer zum Probe­wohnen im Heimat­museum, damit Städter das Land­leben einmal versuchen. Der­artige Aus­sichts­punkte in die Zukunft besucht diese LandPartie gleich mehrere: Auf dem KulturNaturHof in Bechstedt werden wir (voraus­sichtlich) erleben, wie Streuobst aus der Region zu Apfelsaft vermostet wird. Der Initiative Denkort Demokratie begegnen wir auf Schloss Schwarzburg. Hier wird die Erinnerung an den promi­nen­testen Sommergast Friedrich Ebert gepflegt, der 1919 als Reichs­präsident in Schwarzburg die Weimarer Verfassung unter­zeichnete. Entlang der Höhen­promenade zum Schloss wird diese Bedeutung der ersten deutschen Demokratie lebendig durch zitierte Verfassungs-Artikel, die auf in den Weg ein­ge­lassenen Stein­platten zu lesen sind. In Rottenbach stoßen wir auf ein sorgsam saniertes Bahn­hofs­gebäude, in dem ein „Bahn Hofladen“ Dinge des täglichen Gebrauchs und regionale Produkte verkauft.
Dies alles finden wir ein­ge­bettet in eine Landschaft, die die Menschen seit je zu langen Wanderungen veranlasste: „Buckel­apotheker“ trugen die in dieser Region hergestellten Salben und Tinkturen nach ganz Mitteleuropa, legten dabei angeblich täglich sechzig Kilometer zu Fuß zurück. Über Jahrhunderte bildeten Heilpflanzen die wichtigste Basis zur Herstellung von Arzneien – und diese finden sich bis heute auf den armen Böden rings um das Schwarza­tal besonders häufig. Dieser Geschichte der „Olitäten-Herstellung“ begegnen wir im „Memorial­museum“ in Ober­weisbach, dem Geburts­haus von Friedrich Fröbel, dem Begründer des Kinder­gartens. Auf dem Weg dort hin fahren wir mit der alten Ober­weiß­bacher Bergbahn, einer Stand­seil­bahn, die lautlos 323 Höhen­meter über­windet. Weitere Höhen­meter sind bei dieser LandPartie schließlich zu über­winden auf dem Weg nach Neustadt am Rennsteig, nunmehr zu Fuß. Noch einmal stoßen wir hier auf ein unge­wöhn­liches Konzept: Die dortige Michaelis­kirche wurde als erste Her(r)bergs­kirche im Thüringer Wald eingerichtet. Bis zu zwei Wanderer können dort im Kirchen­raum über­nachten. Das Angebot ist auf Monate im Voraus aus­ge­bucht. Und schon beginnt eine andere Erzählung über diese Region, eine Geschichte des Gelingens.

Besondere Programmpunkte:
Besichtigung Schloss Schwarzburg und Austausch mit Initiative Denkort der Demokratie
Besuch Haus Bräutigam – Ort für temporäres Wohnen und Arbeiten in Schwarzburg; Projektort der IBA Thüringen
Besuch NaturKulturHof Bechstedt und Austausch über Energiedorf Bechstedt
Fahrt mit der historischen Oberweißbacher Bergbahn (Standseilbahn)
Besuch Memorialmuseum Oberweißbach; Ausstellung zu Friedrich Fröbel und ehem. Olitätenhandel
Bahn Hofladen Rottenbach – Projektort der Internationalen Bauausstellung Thüringen
Klosterruine Paulinzella mit Jagdschloss
Besuch Her(r)bergs­kirche in Neustadt am Rennsteig
Audio-Workshop: Ein Klangfang unterwegs mit Ruben Kurschat (siehe unten)

Für diese LandPartie ist die Anerkennung als Bildungsveranstaltung beantragt.

Kooperationspartner: Heimatbund Thüringen e.V.; Thüringische Vereinigung Volkskunde e.V. und Internationale Bauausstellung (IBA) Thüringen

2019-11-03
  • Distance Instructions
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Änderungen der Route vorbehalten

Kurz-Übersicht zu Tagesetappen und Startpunkte (nähere Beschreibung folgt noch)
So., 23.08.
Anreise nach Bad Blankenburg; Empfehlung: Besuch „Tag der Sommerfrische“ (individuell); 16 Uhr: Zusammentreffen & Kennenlernen / gemeinsames Abendessen / ca. 19 Uhr: Einführung in Akademie LandPartie 

Mo., 24.08.
Wanderung: Bad Blankenburg – Bechstedt, 13 km Treffpunkt: 9 Uhr Marktplatz Bad Blankenburg / Ende ca. 18 Uhr. Höhenmeter auf: 380 m; ab: 220 m

Di., 25.08.
Wanderung: Rundroute Bechstedt – Schwarzburg – Bechstedt, 9 km 
Workshop in Fortbewegung und in Bechstedt; Höhenmeter auf: 270 m; ab: 270 m

Mi. 26.08.
Fahrt mit Oberweißbacher Bergbahn & Rundtour Oberweißbach, 9 km Treffpunkt: 9 Uhr Haltepunkt Bechstedt / Ende ca. 17 Uhr in Bechstedt. Höhenmeter auf: 210 m; ab: 190 m

Do., 27.08.
Route: Bechstedt – Königsee, 16 km Treffpunkt 9:00 Uhr, Bechstedt / Ende ca. 18 Uhr in Königsee, Marktplatz. Höhenmeter auf: 350 m; ab: 360 m.

Fr., 28.08.
Route: Königsee – Neustadt am Rennsteig, 21 km Treffpunkt 9 Uhr Königsee Marktplatz / Ende ca. 18 Uhr Neustadt am Rennsteig. Höhenmeter auf: 630 m; ab: 230 m.
Sa., 29.08.
Abreisetag (individuell) Z.B. mit Bus bis Bahnhof Ilmenau Bad.

 
Zuletzt aktualisiert am 3. November 2019; Änderungen vorbehalten

Ruben Kurschat
Landschaften erfahren wir mit allen Sinnen. Mit diesem Work­shop wollen wir uns mit dem Hören der Welt beschäftigen – mit den Klanglandschaften. Angeleitet durch Ruben Kurschat und aus­ge­stattet mit unseren Ohren und mit Aufnahme­geräten machen wir uns auf und suchen Geräusche, Klänge, Worte, Dialoge, finden viel­leicht bis­lang Ungehörtes oder gar Unerhörtes. Für Abschnitte lassen wir uns von den Geräuschen führen. Möglicher­weise über­nehmen unsere Ohren mehr und mehr das Kommando und geben uns vor, wo unser Weg lang geht. 
Spielerisch wollen wir Aus­schnitte dieser nicht-stofflichen Klang­welt ein­fangen, ver­suchen wir mittels Audio-Recordern ihrer habhaft zu werden. Am Tages­ende inspizieren wir die gesam­melten Töne: Wir spielen mit ihnen, ordnen sie neu und lassen die Wanderung improvi­sierend Revue passieren.
Spezielle Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Buchtitel Einfach losgehen
Wer sich vorab schon einlesen möchte, findet die Thematik dieser LandPartie in dem Kapitel „Vom Baum der Erkenntnis: Im Schwarzatal“ anschaulich beschrieben.
Inhaltsverzeichnis >>
Der Autor des Buches hat zugleich diese LandPartie konzipiert und wird Sie auch begleiten.

Wanderung mit mittlerem Schwierigkeitsgrad: Die Tagesetappen betragen zwischen 9 km bis 21 km, wobei jedoch einige Höhenmeter zu überwinden sind. Eine gute Grundkondition ohne besondere körperliche Einschränkung ist erforderlich. Überwiegend gut begehbare Wege. Trittsicherheit erforderlich.
Button zentrierenZum Anzeigen der Route müssen Sie eventuell die Kartenansicht zentrieren; durch Klick auf das Symbol in der jeweiligen Karte oben rechts     

Die Teilnehmeranzahl der LandPartien ist begrenzt auf eine Gruppengröße von ca. zehn Personen. Wir empfehlen Ihnen daher eine möglichst frühzeitige Anmeldung per Email an: anmeldung@akademielandpartie.de In Abhängigkeit freier Plätze erhalten Sie von uns eine Anmeldebestätigung mit der Aufforderung zur Zahlung der Teilnahmegebühr. Nach Eingang Ihrer Zahlung sind Sie verbindlich angemeldet und der Platz ist für Sie reserviert. Anmelde-Frist: 31. März 2020 Für Personen aus den besuchten Ortschaften besteht die Möglichkeit, die LandPartie tageweise zu begleiten. Auch für diese Art der Teilnahme ist die mögliche Gruppengröße begrenzt (auf ca. 15 Personen). Daher ist auch für diese Teilnahme eine Anmeldung erforderlich. Für ihre individuelle An- und Abreise, die Sie bitten eigenständig organisieren, können wir Ihnen rechtzeitig vor Beginn der LandPartie die betreffenden Start- und Zielpunkte der einzelnen Tagesetappen mitteilen.
Die Gebühr für die Teilnahme an der fünftägigen LandPartie beträgt pro Person 119,00 € (inkl. 19% MwSt.). Die Teilnahmegebühr enthält folgende Leistungen:
  • Begrüßung und Einführungsveranstaltung am Vorabend der ersten Tagesetappe.
  • Ganztägige Reiseleitung und Betreuung während der fünf Wanderetappen.
  • „Workshop in Fortbewegung“ entlang der einer Tagesetappe mit Anleitung durch benannte/n Referent/in.

NICHT enthalten sind Kosten für individuelle An- und Abreise, Kosten für externe Führungen oder Eintritte, Kosten für Übernachtungen und Verpflegung. (Wir übernehmen für Sie die Reservierung der Hotelzimmer in ihrem Namen. Die Bezahlung erfolgt jeweils unmittelbar durch Sie, direkt bei Ankunft oder durch Vorkasse.) Die tageweise Teilnahme für Personen aus den besuchten Ortschaften ist kostenlos (kein Gepäcktransport).

Wir haben für die sechs Nächte in günstig an der Route liegenden Hotels und Pensionen Zimmerkontigente reserviert. Für diese LandPartie konnten wir zudem auch sehr kostengüntige Übernachtungen finden. Die Hotelkosten gesamt für die sechs Nächte zusammen betragen für Belegung als Einzelzimmer ca. 260,- €; für Unterkunft in Doppelzimmer ca. 210,- €/Person. Es kann nicht für alle Teilnehmer für jede Nacht die Unterbringung in Einzelzimmer garantiert werden. Nach erfolgter Anmeldung senden wir Ihnen eine Liste der Unterkünfte zu. Die Reservierung und die Bezahlung der Zimmer erfolgt individuell durch die Teilnehmer im Voraus. Die LandPartie ist kein Reiseangebot im Sinne des Reisegesetzes.
Sollten Sie von Ihrer gebuchten Teilnahme eventuell zurücktreten wollen, bemühen wir uns den freiwerdenden Platz durch Nachrücker zu besetzen. Sofern dies gelingt, erhalten Sie ihre bereits gezahlte Teilnamegebühr erstattet. Sollte kein Nachfolger für den für Sie reservierten Platz gefunden werden, besteht kein Anspruch auf Rückerstattung der Teilnahmegebühr. Eventuell entstehende Kosten für in Ihrem Namen gebuchte und nicht mehr stornierbare Übernachtungen müssen in jedem Fall von Ihnen bezahlt werden.
Auf den Tagesetappen brauchen Sie lediglich eine kleinen Rucksack mit ihrem Tagesgepäck (z.B. Regenschutzkleidung), die Tagesverpflegung und ihre Ausrüstung für den Workshop bzw. künstlerische Arbeit (z.B. Fotoapparat, Notizbuch) mitzuführen. Ihr übriges Gepäck wird jeweils zur nächsten Unterkunft transportiert. Jedoch ist der Gepäcktransport auf ein Gepäckstück je Teilnehmer begrenzt. Die Größe des Gepäckstücks ist begrenzt auf die Maße eines Handgepäcks (maximale Abmessungen von 55 x 40 x 20 cm) und darf maximal zehn Kilogramm wiegen. Nicht zuletzt ist das Wandern ja doch auch eine Übung in der Reduzierung auf das wesentlich Notwendige.