Durch Wald und über Erz

Termin: (So., 1. Sept. bis Sa., 7. Sept. 2019) Wiederholung geplant für 2021

„Sie finden Nachhaltigkeit modern? Wir auch – seit 300 Jahren“. So lautet ein Slogan der deutschen Forstwirtschaft. In der Wald- und Bergbaulandschaft zwischen Chemnitz und Dresden hat das ursprünglich forstliche Prinzip der Nachhaltigkeit seine Wurzeln. Was erzählt uns diese Landschaft heute? Wir machen uns auf den Weg. Zu Fuß!
Bei der langsamen Annäherung an die alte Silberstadt Freiberg stoßen wir auf Spuren des erzgebirgischen Bergbaus. In Tharandt streifen wir durch den 1811 gegründeten Forstbotanischen Garten. Heute betreut ihn die Forstfakultät der TU Dresden. Zwischen dessen etwa 1700 Gehölzarten bekommen wir eine Ahnung von der Vielfalt der Waldgesellschaften auf dem blauen Planeten und erfahren von den Anfängen nachhaltigen Wirtschaftens: „Nicht mehr Holz fällen als nachwächst“ (frei nach Carlowitz, 1713) oder auch „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“ (Goethe, 1796). Das Nachdenken über diese traditionsreichen Faustregeln führt uns mitten hinein in die Essenz auch des modernen Nachhaltigkeitsdenkens. So etwa erleben wir auf der nahen Johannishöhe Ansätze zu einer „enkeltauglichen“ Landwirtschaft, erfahren etwas über naturnahe Saatgutvermehrung und Getreidesorten.

Keine Nachhaltigkeit ohne die Fähigkeit zu Achtsamkeit und Empathie. Die Einfühlung in die „Mitwelt“ ist unterwegs unser Leitmotiv. Gemeint ist die Natur, in der wir uns bewegen, ihre Schönheit, ihre Gefährdung. Gemeint ist auch der Mitmensch: der Blickkontakt auf Augenhöhe, der prekäre soziale Zusammenhalt. Die Pforten der Wahrnehmung für alle Phänomene möglichst weit öffnen und dann – darüber schreiben. Aber wie? Das Storytelling ist unser Thema.

2019-07-15
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Änderungen der Route vorbehalten

Etappen und Denkwürdigkeiten

Am Stadtrand von Chemnitz startet diese LandPartie. Die nächsten Tage werden wir das mittlere und östliche Erzgebirge bis nach Tharandt, westlich von Dresden gelegen, durchstreifen.
Prägend für diese Region war und ist der Bergbau. Hier wurden neben Silber und Zinn auch zahlreiche andere Erze und nichtmetallische Rohstoffe abgebaut, verhüttet und weiterverarbeitet. Das ist nun schon 100 Jahre her, wobei es sich auch heute noch in der Region und ihrer montanen Kulturlandschaft abbildet und andere Wirtschaftszweige wie Landwirtschaft, Textilindustrie und eben die Waldwirtschaft mit sich brachten. Die Industrialisierung prägte auch die Ortschaften und Dörfer. Vielerlei Relikten werden wir auf unserer Wanderung begegnen.
Konkret führt uns die erste Tagesetappe erst einmal über Hügel. Wir streifen die Talsperre, einst von der Königlich-Sächsischen Staatseisenbahn als Wasserspeicher für Dampfloks errichtet, später genutzt als Naturbad und jetzt im Begriff, von einer Bürgerinitiative vor dem Verfall gerettet zu werden. Die Ortschaft Euba zieht sich mit seinen Häusern und Gütern entlang eines Bachs. Spätestens hier stoßen wir auf Pioniere in Sachen Bienen und anderen Nutztieren. Es gibt hier eine Nutztierarche, wo Schöpfung bewahrt wird (übrigens kein explizit christliches Gebot, andere Kulturen haben ganz ähnliche). Was bewegt Menschen dazu? Sicher kommen wir in Kontakt mit dem ein oder anderen Arche-Tier und können ihm dabei in die Augen schauen. Vielleicht liegt hier schon eine Antwort, wer weiß…Weiter gehen wir über Feldwege und schließlich kommen wir in den Wald und ins Städtchen Flöha, welches wir, weiteren Relikte am Wegesrand begegnend, durchqueren.

Der inneren Landschaft wenden wir uns zusammen mit Ulrich Grober zu und spüren auf der zweiten Tagesetappe nach, was die Begegnung mit Mensch, Natur und Landschaft mit uns macht. Die Weite des Himmels, Feld, Wald und der Blick in die Ferne gibt uns dafür immer wieder neue Anregungen.
Die dritte Tagesetappe wird lang und wir durchwandern das Freiberger Bergrevier. An diesem Tage geht es zumindest gedanklich und erfahrungsorientiert, weiter in die Tiefen von Berg und Stein. Nach den Erzen, die sich hier in langen Edel- und Buntmetall-Adern unter der Erde erstrecken ist das Erzgebirge benannt. Freiberg als Universitätsstadt und Zentrum des Bergbaus gibt uns also reichlich Stoff, sich mit Industriegeschichte, Nachnutzung und ökologischen Hinterlassenschaften zu beschäftigen. Konkret sehen wir das am Beispiel von Muldenhütten, ältester noch in Betrieb befindlicher Hüttenstandort in Deutschland und seit kurzem mit der Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří UNESCO-Weltkulturerbe. Danach ist im wahrsten Sinne des Wortes Bergfest. Ab dem vierten Tag werden die Etappen kürzer und es bleibt mehr Zeit zum Nachspüren und weiter zu Entschleunigen.

Die montane Kulturlandschaft beherbergt auch heute noch Tiere und wir begegnen ihnen unterwegs immer wieder. Spätestens in Colmnitz, wo die Umnutzung eines einstigen Weideguts und späteren LPG durch eine Mischung von Wohnungswirtschaft, Tourismus und Biogasanlage hin zu einem Naturerlebnishof erfolgreich vollzogen wird. Bald darauf tauchen wir, aus der offenen Landschaft kommend, ein in die Welt des Waldes. Der Tharandter Wald beherbergt inmitten seines Zentrums auf einer Lichtung das Dorf Grillenburg. Interessant sind die Ursprünge dieser einstigen Jagdhausanlage, wird in Grillenburg doch ein ehemaliges Pilgerhospiz vermutet. Unser Weg folgt in etwa dem Jakobsweg, der hier schon seit langer Zeit verläuft und bringt uns nach Fördergersdorf. Auf dem Weg können wir besonders tief einatmen, denn Grillenburg ist staatlich anerkannter Luftkurorte. In Resonanz mit dem Wald und der Luft und unserer Umgebung gehen wir schließlich nach Tharandt. Dort erwartet uns die älteste Forstuniversität der Welt und wir begeben uns auf Streifzüge in den Forstpark und den Forstbotanischen Garten der Technischen Universität Dresden. In der Nachbarschaft nachhaltiger Waldwirtschaft finden sich wieder Aussichtspunkte in die Zukunft: Ein Hauskollektiv des Mietshäuser Syndikat wohnt in Tharandt selbstorganisiert und wirtschaftet solidarisch. Auf der Johannishöhe verbindet eine Gemeinschaft ökologisch verträgliches Leben mit selbstbestimmter Bildungsarbeit und einem anerkannten Bio-Betrieb, der knapp 5 Hektar Land nach den Regeln des kontrolliert biologischen Landbaus bewirtschaftet.

[Zuletzt geändert am 22. Juli 2019; eventuelle weitere Änderungen vorbehalten]

Buchtitel Ulrich GroberAm Abend der ersten Etappe gewährt uns Ulrich Grober einen Einblick in den Begriff der „Nachhaltigkeit“ und seine darüber gewonnenen Erkenntnisse. Eng damit verknüpft sind für ihn die Stichworte Empathie, Einfühlung und Resonanz. Er wird uns entlang der zweiten Wanderetappe begleiten, unsere Wahrnehmungen zu öffnen. Das innere Erleben halten wir fest, indem wir es aufschreiben. Am Abend kommen wir ins Gespräch und tragen uns gegenseitig eventuell bereits entstandene Textpassagen vor. Die nächsten Tage können Sie gerne weiterhin zum Stift greifen. Spezielle schriftstellerische Qualifikationen werden dabei keine vorausgesetzt, jedoch ihre Offenheit für die Erde und die Bereitschaft, etwas auszuprobieren.

Wanderung mit mittelschwerem Schwierigkeitsgrad: Tagesetappen zwischen 8 km bis 20 km durch meist hügeliges Gelände. Die ersten drei Etappen sind die längeren, die Etappen vier und fünf mit bis zu 12 km die kürzeren. Moderate Höhenmeter sind bei der ersten bis dritten Etappe zu überwinden (auf den Tag verteilt jeweils ca. 300 m aufwärts, 300 m abwärts).

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Die Teilnehmeranzahl der LandPartien ist begrenzt auf eine Gruppengröße von zehn Personen. Wir empfehlen Ihnen daher eine möglichst frühzeitige Anmeldung per Email an: anmeldung@akademielandpartie.de

In Abhängigkeit freier Plätze erhalten Sie von uns eine Anmeldebestätigung mit der Aufforderung zur Zahlung der Teilnahmegebühr. Nach Eingang Ihrer Zahlung sind Sie verbindlich angemeldet und der Platz ist für Sie reserviert.
Anmelde-Frist: 17. August 2019

Für Personen aus den besuchten Ortschaften besteht die Möglichkeit, die LandPartie tageweise zu begleiten. Auch für diese Art der Teilnahme ist die mögliche Gruppengröße begrenzt (auf 20 Personen) und daher ist auch für diese Teilnahme eine Anmeldung erforderlich. Für ihre individuelle An- und Abreise, die Sie bitten eigenständig organisieren, können wir Ihnen rechtzeitig vor Beginn der LandPartie die betreffenden Start- und Zielpunkte der einzelnen Tagesetappen mitteilen.

Die Gebühr für die Teilnahme an der fünftägigen LandPartie beträgt pro Person 119,00 € (inkl. 19% MwSt.). Die Teilnahmegebühr enthält folgende Leistungen:
  • Begrüßung und Einführungsveranstaltung am Vorabend der ersten Tagesetappe.
  • Ganztägige Reiseleitung und Betreuung während der fünf Wanderetappen.
  • Eintägiger „Workshop in Fortbewegung“ entlang der zweiten Tagesetappe mit Anleitung durch den benannten Referenten.
  • Täglicher Gepäcktransport während der LandPartie (mit der Einschränkung, wie in den Hinweisen zum Reisegepäck aufgeführt).

NICHT enthalten sind Kosten für individuelle An- und Abreise, Kosten für externe Führungen oder Eintritte, Kosten für Übernachtungen und Verpflegung. (Wir übernehmen für Sie die Reservierung der Hotelzimmer in ihrem Namen. Die Bezahlung erfolgt jeweils unmittelbar durch Sie, direkt bei Ankunft oder durch Vorkasse.)
Die tageweise Teilnahme für Personen aus den besuchten Ortschaften ist kostenlos (kein Gepäcktransport).

Für die sechs Nächte haben wir Zimmerkontingente in günstig an der Route gelegenen Hotels oder Pensionen reserviert. Die Übernachtungskosten gesamt für die sechs Nächte betragen für Belegung im Einzelzimmer ca. 220-260 €/Person; für Unterkunft im Doppel- oder Mehrbettzimmer ca. 160-200€/Person (meist inklusive Frühstück).

Es kann nicht für alle Teilnehmer für jede Nacht die Unterbringung im Einzelzimmer garantiert werden.
Nach erfolgter Anmeldung senden wir Ihnen eine Liste der Unterkünfte zu. Die Reservierung und die Bezahlung der Zimmer erfolgt individuell durch die Teilnehmer (Bezahlung bei Ankunft in der Unterkunft). Die LandPartie ist kein Reiseangebot im Sinne des Reisegesetzes.

Sollten Sie von Ihrer gebuchten Teilnahme eventuell zurücktreten wollen, bemühen wir uns den freiwerdenden Platz durch Nachrücker zu besetzen. Sofern dies gelingt, erhalten Sie ihre bereits gezahlte Teilnamegebühr erstattet. Sollte kein Nachfolger für den für Sie reservierten Platz gefunden werden, besteht kein Anspruch auf Rückerstattung der Teilnahmegebühr.
Eventuell entstehende Kosten für in Ihrem Namen gebuchte und nicht mehr stornierbare Übernachtungen müssen in jedem Fall von Ihnen bezahlt werden.
Auf den Tagesetappen brauchen Sie lediglich eine kleinen Rucksack mit ihrem Tagesgepäck (z.B. Regenschutzkleidung), die Tagesverpflegung und ihre Ausrüstung für den Workshop bzw. künstlerische Arbeit (z.B. Fotoapparat, Notizbuch) mitzuführen. Ihr übriges Gepäck transportieren wir jeweils zur nächsten Unterkunft. Jedoch ist der Gepäcktransport auf ein Gepäckstück je Teilnehmer begrenzt. Die Größe des Gepäckstücks ist begrenzt auf die Maße eines Handgepäcks (maße in cm) und darf maximal zehn Kilogramm wiegen. Merke: Wandern ist eine Übung in der Reduzierung auf das wesentlich Notwendige.